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Öffentlichkeitsarbeit im Verein

Wie schaffe ich es, meinen Verein in der Öffentlichkeit zu präsentieren?

 

Damit die Trachtengruppe, der Volkstanzverein auch über die Stadt, den Dorfkern hinaus bekannt wird, sind vielfältige Anstrengungen notwendig.

Die Verantwortlichen auf dem Rathaus, in den Vereinsvorständen, Kliniken, Altersheimen, Hotels wollen (sollen) Ihren Verein kennenlernen, vielleicht gleich auch den Ansprechpartner des Vereins. Immer wieder sollte deshalb der Verein ins Gespräch gebracht werden. Ob Zeitung oder ein anderes Medium: Die Eigenwerbung muß die richtige Zielgruppe treffen. Deshalb sollte zuerst einmal überlegt werden,

Was will der Verein bekannt machen?

Wie soll das bekannt werden?

 

Wie schaffe ich es aber, meinen Verein in der Zeitung zu präsentieren?

Dies ist eigentlich das Thema. Jeder kennt sie, seine eigene Lokalzeitung, manchmal auch eine überregionale Zeitung. Ihre Informationen erreichen uns am Morgen beim Frühstück, in der Pause, am Nachmittag ...

Jeder Schriftführer des Vereins hat seine Erfahrungen mit der Zeitung. Jeder hat seine Vorbehalte, wenn von Redaktionsseite her

Jeder hat sich auch schon einmal geärgert.

Aber man kann etwas dagegen tun.

Man sollte wissen, wie diese Redaktionen arbeiten, dann versteht man auch besser die Einschränkungen. Man kann versuchen, sich bei den Redaktionen zu informieren. Meist sind die Redakteure daran interessiert weiterzuhelfen.

Wie gehe ich mit der Zeitung um? Wie kann ich dieses Medium für meinen Verein nutzen, mir mehr "Öffentlichkeit" verschaffen?

Von der anderen Seite, der Zeitungsseite betrachtet, sieht das ganz anders aus:

 

Beobachten wir uns zuerst einmal selbst.

Untersuchungen haben gezeigt (bei allen Zeitungen):

70 % der Leser lesen nur den ersten Absatz.

30 % lesen noch etwas weiter.

5 % lesen die Artikel bis zum Schluß.

Das bedeutet für uns:

Die Überschrift macht meist der Redakteur. Deshalb: Schon im Text interessante Sätze einbauen, die er übernehmen könnte.

Zuerst im Artikel die Neuerungen, das spektakuläre, die wichtigste Mitteilung, die Sie ihrem Vereinskollegen, der nicht bei der Versammlung oder der Veranstaltung war, auch gerne mitteilen würden

Alles, was wichtig ist, an den Anfang. Auch wenn es nicht chronologisch so dran wäre. Eine kurze Artikeleinleitung mit dem Wesentlichen sollte vorne stehen.

Der Artikel soll bei solchen Lesern Interesse wecken, die nicht dabei waren. Jeder soll Lust bekommen, gerade dies zu lesen, gerade in diesen Verein zu gehen. Diejenigen, die bei der Versammlung waren, wissen nämlich schon, was dort verhandelt wurde. An sie darf sich dieser Artikel nicht richten.

Wenn möglich sollten Sie ein Foto beilegen.

Was oft falsch gemacht wird ...

  1. Protokolle erstellt der Schriftführer für die Akten, in die Zeitung soll dieses nicht. Hier steht das Wichtigste in Kürze.
  2. "Generäle" versammeln sich hier nicht, also bitte "Haupt- oder Jahresversammlung".
  3. Daß die Kasse stimmt, sollte selbstverständlich sein. Das gehört zu den wichtigen Dingen der Vereinskultur, es steht nicht in einem Zeitungsartikel. Sollte sie wirklich mal nicht stimmen, sollte wirklich mal was entwendet worden sein, darf das so deutlich nur dann in der Zeitung stehen, wenn der Redakteur diese Sätze recherchiert hat.
  4. Rückschau des letzten Jahres, Vorschau auf das nächste Jahr ist interessant, aber nicht für jeden Artikel. Dazu sollte entsprechend gleich nach dem Termin die Zeitung informiert werden.
  5. Die Ehrung der 30 Mitglieder, die schon 20 Jahre im Verein sind, macht einen Artikel nur lang, nicht interessant. Hier bietet sich ein Foto mit Bildunterschrift besser an.
  6. Keine chronologische Abfolge der Ereignisse, das bringt keine Zeitung. Zuerst das Wichtige, dann weiter ausführen (hier lesen schon 70 % nicht mehr), dann die unwichtigeren Dinge. Gekürzt wird vom Redakteur bei Platzmangel von hinten her!
  7. Niemanden interessiert die Totenehrung, die Vereinsregularien. Das wird von vielen Lesern als Vereinsmeierei abgelehnt.
  8. Auch keine Appelle: leider, schade, bedauerlich, weiter so. Sprachlich besser wäre z. B.: "Diese Aktion sollte viele Nachahmer finden."

Wie sieht also ein Artikel aus, was soll ich schreiben?

So sollte er aufgebaut sein:

5 W-Fragen : Wer - Was - Wann - Warum - Wie?

Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich ein Verein in der Zeitung darstellen kann.

 

Weitere nützliche Tips

Bei fast allen Artikeln bietet sich die Möglichkeit einer Einbindung der Vorschau, wenn z. B. für das Tanzfest im Mai noch Helfer gesucht werden, für den anstehenden Besuch aus Schweden noch Zimmer gebraucht werden.

Wenn wirklich ein Ehrenmitglied oder ein Vorsitzender gestorben war, hat der Verein sicher beim Tod schon einen Nachruf in der Zeitung verfasst. Natürlich kann man auch solches verstecken, z. B. „Seit dem Tod des NN liegt die Jugendarbeit brach."

Oft, meist in der Schulferienzeit, hat die Zeitung Saure-Gurken-Zeit. Schnell wird die Zeitung dünner. Die Redaktion ist in dieser Zeit dankbar für jede Art von Bericht. Also ran und Material liefern:

Alle Vereine haben was zu berichten!

Obwohl es Vereinsmeier genug gibt, die meinen, in jedem Verein etwas sagen zu müssen, will sich aber niemand bereit erklären, die Zeitungs-Artikel zu schreiben.

Nur Mut, versuchen Sie es. Das gelingt schon. Man muß es erst einmal probiert haben.

Man kann Artikel in verschiedenen Rubriken der Zeitung unterbringen

(Oder wie heißen die Rubriken in Ihrer Zeitung?)

 

Für einen Berichterstatter gibt es einige ganz wichtige Vorbedingungen

 

Wie soll der Bericht in Form gebracht werden?

Praktisch so:

Wie soll er der Redaktion angeboten werden?

Gleich in Spalte einliefern (zählen Sie doch einmal die Buchstaben und Zeichen in einer Spalte).

Der Redakteur muß etwa wissen, wie viel Platz der Artikel braucht.

Wie viele Zeichen pro Spalte (Anschläge)? Je nach Zeitung 30 bis 45 Anschläge

Gleich mit 2zeiligem Abstand, damit der Redakteur Bemerkungen einschreiben kann.

Oben auf Ihrem Manuskript muß Ihr Name und die Telefonnummer stehen. Auch die Adresse ist wichtig.

Wie lange etwa?

Allerhöchstens 100 Zeilen. Nach Absprache 120. Längere Artikel liest niemand. Fragen Sie vorher, wie lang der Artikel gewünscht wird. Gleich auch erkundigen, ob ein Foto dabei sein kann.

 

Technische Voraussetzungen

So ist es den Redaktionen am liebsten (Hitliste der modernen Zeitung):

  1. Per E-mail, dann steht der Artikel schon im Computer, niemand muß ihn mehr abschreiben.
  2. Natürlich auch per Diskette: genau beschriften, von wem, was drauf ist, wie lange etwa.
  3. Auch als Fax, denn das geht schnell, niemand muß extra in die Stadt fahren. Briefe dauern meist zu lang, denn der Artikel sollte ja möglichst gleich gebracht werden.
  4. Auch als Text per Post.

Alles, was zusätzlich Arbeitszeit kostet, ist heute nicht mehr so gefragt. Die moderne Zeitung will schnell und kostengünstig arbeiten.

 

Fotos liefern viele Informationen

Denken Sie aber daran, höchstens 5 Fotos haben auf einer Seite Platz, sonst wird daraus ein Bilderbuch. Liefern Sie einige, der Redakteur sucht sich die besten aus.

Bitte beachten: Die Qualität muß gut sein, also:

Haben Sie den MUT, auch mal was wegzulassen, beim Foto und bei Artikeln!

 

Wie anliefern? - Schwarz-Weiß? Farbe? Größe?

Bild-Unterschrift: Auf dem Manuskript muß klar vermerkt sein, was auf dem Foto ist. Vor allem wer. Ganz genau: Vornamen, Nachnamen, Titel (bei den wichtigen). Der Text muß genau zu dem Bild erkannt werden, auch wenn dieses mal heruntergefallen ist. Außerdem den Namen des Fotografen und das Ereignis vermerken.

 

Schlußbemerkungen

Bedenken Sie: Die Werbung, die ein positiver Artikel Ihrem Verein bringt, ist sehr wichtig. Eine gleiche Werbung im Anzeigenteil würde mehrere Hundert Mark kosten.

Ihre eingesandten Artikel werden von der Zeitung gerne genommen, aber ganz freiwillig veröffentlicht. Seien Sie also froh, daß Ihr Bericht veröffentlicht wird, und sprechen Sie mal mit ihrem Kassierer, ob nicht für die abrechnungsfähigen Auslagen Geld locker gemacht werden kann.

Nur Mut, meine Damen und Herren Vorsitzenden, bestellen Sie jemanden als Verbindungsmann zu den Medien, auch jüngere Personen in ihrem Verein sind geeignet, lassen Sie diese sich einarbeiten. Meist wächst man an den Aufgaben, die man gestellt bekommt.

Vertrauen und Mut gehören allerdings dazu, so ein Amt zu beginnen. Und lassen Sie sich nicht gleich entmutigen, wenn's beim erstenmal nicht so klappt.

Planen Sie mal für die Saure-Gurken-Zeit eine Seite in Ihrer Zeitung, sprechen Sie mit dem Redakteur.

 

Noch Fragen?

Referat Öffentlichkeitsarbeit

für Baden

Albert Schulze

Brucknerstraße 7a

77654 Offenburg

Tel. (07 81) 3 02 95

Fax: (07 81) 9 48 10 25

Albert.Schulze@ag.volkstanz.com

Dieses Referat wurde von Albert Schulze bei der Mitgliederversammlung 1999 gehalten und wurde für den Abdruck im Rundbrief etwas gekürzt.


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