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Eigentlich stand ja schon alles in der Zeitung ...

 

... wovon ich erzählen will. Bloß haben die meisten Rundbrief-Leser diese Zeitung nicht lesen können, weil es sie nur an einem Ort gab, gar nur in einem Haus, dafür aber eine Woche lang täglich, manchmal sogar in mehreren Ausgaben, auch am Sonn- und Feiertag. Da kannte die Redaktion keine Müdigkeit, da liefen Hirn, Computer und Drucker heiß, und ich frage mich, ob Albert Schulze überhaupt zum Schlafen kam, da doch jeden Morgen eine neue Wandzeitung in der Halle der Freiburger Jugendherberge aushing, wo sich dann alles drängelte, weil man doch stets neugierig war, wie über dieses oder jenes Ereignis witzig berichtet wurde und was sich sonst noch im Haus zugetragen hatte, während man selbst nur an einem Ort gleichzeitg sein konnte. Die Rede ist vom „Freiburger Volkstanzwochen Blättle" im 9. Jahrgang, dessen fast 20 Seiten die Teilnehmer der Volkstanzwoche (30. Dezember 2000 – 6. Januar 2001) am Ende mit heimnehmen durften.

Ich bin zum ersten Mal dabei gewesen, neugierig auf den Verlauf dieser Tage und begierig, Neues zu lernen und mich so richtig „satt" tanzen zu können. Unter den 120 Teilnehmern fand ich sogar etliche vertraute Gesichter, die ich von Lehrgängen und Tanzfesten in Baden-Württemberg kannte, und von Augsburg kamen wir immerhin zu siebt! Welch fröhliche Gemeinschaft kam da zusammen, potenzierte Tanzbegeisterung und Bewegung!

Morgens wurde in vier festen Gruppen mit wechselnden Tanzleitern und Musikanten Neues erarbeitet, wobei die Unterrichtseinheiten eigentlich viel zu kurz waren. Dann schnell ein trockenes Hemd anziehen und zur Musik: zwischen Singen und Musizieren (beides unter mitreißender, guter Leitung) entschied ich mich fürs Orchester, weil ich zu Hause viel zu selten mit anderen musizieren kann. Eine bunt gemischte Besetzung von Blockflöte bis Tuba wuchs zum Tanzorchester zusammen, das mit Rüdiger Bernau eine umfangreiche Polonaise und etliche bewegte Tänze für eine Tanzrunde am Abschlußabend einstudierte.

Der Rüdiger ist überhaupt ein Multi-Talent, ob Orchesterleiter oder leidenschaftlicher Musikant, ob Tänzer oder Tanzleiter, der sich nicht schont, der Müde motiviert und Begeisterung verbreiten kann – zwischen all dem wechselt er spielend und kann zur Not auch alles gleichzeitig, mit dem Akkordeon tanzen etwa! – Womit kann man noch so tanzen? Mit Kind auf dem Arm etwa, wie Hartmut Liebscher uns täglich routiniert bewies. Solange Tobias auf Papas Arm sein durfte, gab er keinen Mucks von sich, mochte Papa auch reden, hüpfen, drehen. Bloß Paartänze vorzuzeigen wird dann ein bißchen komplizierter ... Mit geschlossenen Augen steigerten wir uns meditativ in einen Kreistanz unter Götz Zinsers Leitung. Mit dem rechten Verständnis ließ Hildegard Ringwald uns unverfälschte Fruchtbarkeitsriten tanzen. Mit gebrochenem Schlüsselbein aber mußte Klaus Fink sich von der Tanzleitung auf die Spielleitung verlegen und verbreitete dennoch ungebrochen Fröhlichkeit – wie alle übrigens. Und wenn es doch mal ein persönliches oder organisatorisches Problem gab, galt stets die Devise: Nicht verzagen, Inge fragen! Im „Tagungsbüro" stand sie uns stets zur Verfügung mit Rat und Hilfe, sogar mit Medikamenten, als ein heftiger Magen-Darm-Virus etliche von uns zeitweise aus dem Gefecht zog.

Am Nachmittag standen täglich so viele verschiedene lockende Kurs-Angebote zur Wahl, daß mir die Entscheidung für eine Gruppe oft nicht leicht fiel. Neben Basteln, Stadtführung und Chorsingen gab es noch etliche Tanzthemen – Tänze aus bestimmten Landschaften oder Epochen, Festigung der Grundschritte in den gängigen Rundtänzen und vieles mehr. Am eindrucksvollsten für mich war wohl der Tiroler Fackeltanz, den Hildegard am Silvesternachmittag mit einer Gruppe einstudierte, dann bei schneidender Kälte im Hof mit brennenden Fackeln probte und nachts draußen aufführen ließ. Der Wunsch, dies einmal mitzuerleben und aktiv dabeizusein, wie ich es beim Erlernen dieses festlichen Tanzes erträumte, ging mir gleich in der Nacht der Jahreswende in Erfüllung.

Bis zum Abendessen wurde noch einmal mit allen gemeinsam getanzt. Abends gab es ein täglich wechselndes Programm von Spielen bis zum Brauchtums-Vortrag, vom Silvester-Raclette bis zum Konzert für Gartenschlauch, Gießkanne und Klomuschel.

Und Tanzen natürlich! Beim Kehraus konnte noch einmal jeder mit jedem sich drehen, üben, Neues lernen. Die Unentwegten zogen gegen Mitternacht vom Saal im Dachgeschoß in die Bar im Keller um, wo manche bis zum Frühstück geblieben sein sollen, andere sanken mit brennenden Füßen ins Bett und freuten sich auf den nächsten Tag.

Wie vieles wäre noch zu erwähnen – das Schlangestehen am Essensschalter (äußerst kommunikativ, wenn auch auf Kosten der Eßkultur) .- die rücksichtsvolle, nette Zimmergemeinschaft zu dritt im Sechserzimmer – die reibungslose Organisation des Tagesablaufs einschließlich Laden-Öffnungs-Zeiten für den Getränke-Einkauf – die kurzen Wege (alles unter einem Dach) von einem Kurs zum anderen und zwischendurch wieder zum Zimmer, wo der Vorrat frischer, trockener T-Shirts rasch abnahm – die Freiheit, die Nachmittagsgestaltung ganz den persönlichem Vorlieben oder Bedürfnissen anzupassen – das Trachtengeschäft von Helga Fink und der Bücher- und CD-Verkauf – der hauseigene, besinnliche Neujahrsgottesdienst unter Mitwirkung der Kinder – die liebevolle Kinderbetreuung von Carmen und Gisela, die einen richtigen behaglich-freundlichen Kindergarten (sogar mit Kuschelecke) eingerichtet hatten und am Abschlußabend mit allen Kindern das sehenswerte Spiel vom „Regenbogenfisch" aufführten – das Tanzfest in Stegen am Samstagsnachmittag, allerdings mit gewissen Spuren der Erschöpfung nach einer Woche „Tanzen total" – dies und noch viel mehr machte diese Woche zu einem unvergeßlichen Erlebnis, einem Fest für jedes volkstanzbegeisterte Herz! Großer Dank gilt der Gemeinschaft, den Referenten und allen, die zum Gelingen dieser Tage betrugen!

Nächsten Winter wieder, gleicher Ort, gleiche Zeit – kommt doch auch! (Und noch ein Geheimtip an alle Tänzerinnen: dort gab es keinen Männermangel, in sieben intensiven Tanztagen habe ich kein einziges Mal die Tänzerrolle übernehmen müssen!). Vielleicht steht dann auch wieder alles in der Zeitung, aber die gibt es eben nur dort ...

Marianne Kopp

 

 


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