Schweiz total – aber von Kanton zu Kanton verschieden!!

Südwestdeuter Spielkreis II

20./21. Januar 2001 in Villingen-Schwenningen

 

Dies war ein ganz besonderes Wochenende, zu dem wir Rosemarie Schilter aus der Schweiz eingeladen hatten.

Mit Rosemarie hatten wir eine kompetente Referentin: Sie ist Kantontanzleiterin für Kanton Appenzell-Außerrhoden/Ostschweiz, Mitglied in der schweizerischen Volkstanzkommission und ist lange schon verantwortlich für den Volkstanz bei der schweizerischen Brauchtumswoche. Sie ist auch Nachfolgerin von Ernst Brunner, mit dem uns schon viele Jahre eine besondere Freundschaft verbindet. Er hat uns in den vergangenen Jahren bei vielen Volkstanzwochen in Überlingen, Ortenberg, Tübingen oder Freiburg sein überaus großes Fachwissen im schweizerischen Volkstanz und auch im Werken vermittelt.

Rosemarie hat es verstanden, in ihrer netten Art und bestimmten Weise uns auf kleinem Raume viele Tänze zu lehren. Dabei verschaffte sie uns einen kleinen Überblick von verschiedenen Tänzen aus den einzelnen Kantonen wie z. B. Appenzell, Innerschweiz, Wallis, Ostschweiz, Bern, Romandie, Graubünden, Aargau u. a. Das Programm war geschickt und abwechslungsreich zusammengestellt, so daß überhaupt keine Langeweile aufkam. So mancher Teilnehmer staunte, wie flott doch manche schweizerische Tänze waren.

Zum Eintanzen waren es die Tänze: Lauterbacher (Appenzell) – Alewander (Innerschweiz) – Corisée (Wallis). Als „Regionentänze" lernten wir u. a.: Im Öregelihuus, Säntismasolke, Brandiswalzer, Burgdorfer, Hirschegräbler, Määrtgässler, Dr Seppel, La fine goutte du Détaley, Polca á quattre temps, Marianne am Genferball, I dr Mühli, um nur einige zu nennen. Das Tanzen mit Rosemarie machte sehr viel Spaß, und wir konnten so die verschiedensten Tänze/Tanzweisen kennenlernen, wobei wir natürlich bei Polka und Schottisch zwischen schweizerischer und deutscher Ausführung unterscheiden mußten. Die Tanzformen beinhalteten: Marsch, Mazurka, Polka (Schweiz), Schottisch (Schweiz) und Walzer. Da die Schweizer die Tanzteile manchmal wie Orchester ihre Musikstücke wiederholen, hatte Rosemarie mit ihrem Mann Viktor „Tanzabfolgen" notiert und an die Wand gehängt. Einige Beispiele dazu:

La fine goutte de Dézaley Polca á quarttre temps

AA – BB – CC – A – B A –B x 4

Polca da Tumasch Marianne am Genferball

A – BB – A – CC – A AA – BB – A – CC – A – BB – A - CC

Diese Aufzeichnungen waren uns eine große Hilfe, und so prägte sich doch mancher Tanz besser ein. Vielleicht nimmt man ja auch den einen oder anderen Tanz in die eigene Gruppe mit und dann fällt das Auffrischen damit leichter.

An die Tanzleiter und andere Interessierte hatte Rosemarie auch gedacht, und man konnte bei ihr gleich die entsprechenden Tanzbeschreibungen und Noten erwerben.

Aber warum nun „Schweiz total"?

Das ganze Wochenende war eben eine runde Sache. Das Tanzen wurde ergänzt mit Singen und Musizieren nach Schweizer Art. Herbert Preisenhammer hatte einige Lieder aus der Schweiz vorbereitet und Rudi Huber übte mit den 13 Musikanten verschiedene Tänze ein. Wir brachten es sogar so weit, daß die übrigen Teilnehmer auf diese Musik tanzen konnten. Die älteren Musikanten wurden dabei schon von den jungen Nachwuchskräften wie Anita und Felix Huber tatkräftig und engagiert unterstützt.

An diesem Wochenende hatten wir besonderes Glück, denn wir hatten zwei Musikanten, die uns zum Tanz aufspielten: Klaus Gauler und Gerold Kraus. Sie ergänzten sich gut bzw. wechselten sich immer ab, so daß sie auch in den Genuß des Tanzens mit Rosemarie kamen. Zwischendurch probierten wir die Tänze auch mit „Originalmusik", die uns von Rosemarie mit CDs oder Kassetten vermittelt wurde.

Sehr wesentlich ergänzt wurde dieses Wochenende: An jedem Tag wurde ein Gesprächskreis gebildet, bei denen wir auch über die derzeitige Volkstanzsituation, Organisationen und Vereinigungen in der Schweiz etwas erfuhren. Schwerpunktmäßig die Schweizerische Trachtenvereinigung, die musische und die Singarbeit und die Zusammensetzung der Gruppen im Vergleich zu Baden-Württemberg. Auch wurde die Problematik der schweizerischen Neuschöpfungen, im Bereich Tanz/Musik und Volkstanzpflege angesprochen, die in verschiednen Kantonen sehr stark „blühen".

Eine Besonderheit war diesesmal das Abendessen am Samstag, Sabine Mair hatte geschickt alles organisiert und vorbereitet. So gab es kein übliches Abendessen, sondern wir saßen in Grüppchen an verschiedenen Tischen zum Raclette. Aber nein, dies war nicht die einzige Überraschung: Rosemarie und Viktor kredenzten uns nach des Tages Müh noch Schweizer Käse, hübsch garniert mit Birnen, nebst einer kleinen Probe von Schweizer Wein.

Doch was geschah um Mitternacht? Es war das reinste Schokoladenspiel, denn es kreisten vielerlei Sorten um den langen Tisch, und jeder versuchte natürlich ein Stückchen von dieser Köstlichkeit zu erhaschen.

Was nun noch fehlte, waren die Berge. Aber zum Glück kann niemand Berge versetzen, sonst würde es vielleicht dauernd blitzen und donnern.

So kam auch an diesem Wochenende kein Gewitter auf, und unser Lehrgang bzw. die Stunden verflogen wie im Nu. Wir waren uns alle einig, daß dies ein besonderes, lehrreiches und harmonisches Wochenende war.

Deshalb bedanken wir uns auf diesem Wege nochmals bei Rosemarie und Viktor, die alles so hervorragend vorbereitet und vermittelt haben. Ebenso unser Dank an alle, die auch zum Gelingen beigetragen haben.

Ursula Brenner und Götz Zinser

 

Ein schönes schwedisches Wochenende

 

Zum Wochenende 24./25. März 2001 lud Sabine für den IIer-Kreis zu einem tänzerischen Leckerbissen ein: Schwedische Paartänze. Das lockte mich unwiderstehlich. Alle anderen, die sich erfrechten, mich genau auf dieses Wochenende zu einer Party oder ähnlich langweiligen Sachen einzuladen, erhielten eine deftige Abfuhr. So etwas wurde mir in meinem ganzen (freilich erst kurzen) Volkstanzleben noch nicht geboten! Auf vielen Volkstanzfesten habe ich die schönen schwedischen Weisen genossen und die von gewieften Tänzerinnen aufs Parkett gezauberten Drehungen und Wendungen bewundert. Mit Abgucken habe ich versucht, in diese schöne Kunst einzusteigen. Einiges ist mir so gelungen, aber die richtige Anleitung fehlte doch. Also, auf ging´s ins Zentrum des Ländles, zur Juhe Tübingen, umweltfreundlich und zeitraubend mit der Bahn.

Trotzdem war ich einer der Ersten dort, von Vorfreude und Erwartung getrieben. Das Wetter war ideal für solch eine Veranstaltung, aus tiefhängenden grauen Wolken fiel immer wieder Regen. Und dann kamen auch die anderen, die die gleiche Neugierde trieb, einer nach dem anderen, es wollte nicht aufhören. Ich wußte gar nicht, daß es so viele Zweierkreisler gibt: Einhundert Füße fanden sich, die rhythmische schwedische Ekstase ersehnten. Und endlich stieg auch der Matador in die Arena, ach nein – es sollte mir ja nicht spanisch vorkommen, also endlich stieg der Recke in den Thing: Sture Göransson, ein echter Schwede in den besten Jahren, mit seiner angetrauten Petra, einer Schwodin (oder Schwebin?, ich weiß es nicht genau). In der Einladung wurden Gammeldansvariationen angekündigt, aber zum Gammeln war gar keine Zeit, es ging gleich zur Sache. Elke Stauber-Micko zauberte aus ihrer Geige wunderschöne Melodien, die ich in mich hinseinsog, um damit mehr oder weniger geschickt meine Füße zu setzen, und wenn man auf ihre Füße schaute, erwischte man auch die Eins im Takt. Es ist für mich faszinierend, wie ein Melodieinstrument nur durch die Spielweise auch gleichzeitig den Rhythmus rüberbringen kann. Es war eine zauberhafte Musik, so richtig schwedisch!

Ich war nicht der einzige Neuling in Sachen „schwedisch", und so fand ich es sehr gut, daß Sture viel Wert auf die Grundstrukturen der jeweiligen Tanzart legte, das sehr deutlich erklärte und dann so lange üben ließ, bis er den Eindruck hatte, daß seine Anweisungen so ziemlich bei jedem angekommen sind. Wenn ich aber ehrlich zu mir selber bin, so muß ich bekennen, daß in dem Moment wo ich diese Zeilen in mein elektronisches Gedächtnis hacke, aus meinem gottgegebenen Gedächtnis leider schon wieder sehr vieles entschwunden ist. Es wäre nun sicherlich traumhaft - und Träume sollen ja gelegentlich in Erfüllung gehen -, wenn es bald wieder eine Schwedenspeisung gibt (das war gleich nach dem letzten Krieg eine begehrte und auch lebensnotwendige Sache für uns Schulkinder!).

Für die Hobby-Musikanten gab es gleich einen weiteren Leckerbissen. Sture spielt natürlich auch Geige und spielte mit allen Interessierten Schwedisches, Elke gab uns wertvolle Hinweise zur Interpretation der Noten, damit es so richtig schwedisch klingt. Schließlich waren es vier oder fünf Geigen, Klaus Gauler mit seiner selbst gebauten (das kam gar nicht so recht zur Geltung) Drehleier - das ist nicht der korrekte Name, bitte bei Klaus nachfragen, wie das Instrument wirklich heißt. Wir hatten in kurzer Zeit einen wunderbaren Klangkörper zusammengebracht und spielten den übrigen zum Tanze auf.

Für alle waren dann so gegen Mitternacht kulinarische schwedische Leckerbissen vorbereitet, eine bekannte nordische Einrichtungskette hat dies ermöglicht. Bei den vielen Helfern, die dieses herrliche Treffen so herrlich vorbereitet haben, bedankt sich hiermit von ganzem Herzen als genießender Teilnehmer

Viktor Kubrak



Låt oss dansa, sjunga, spela!

Swediskurs für Angefangenen und Fortgesrittene

 

Ob Schottisch från Sörmland, Hambo oder gar Hambopolska met valse (links rum) aus Järvsö, die vierzig Schwedisch–Tanzkurs Teilnehmer des Iier-Kreises, die mit bei deren Frühjahrstreffen in Tübingen waren, kennen sich inzwischen aus in schwedischen Tänzen, schwedischen Klängen und schwedischen Köstlichkeiten.

Schon bei den ersten Klängen der Musik horchte der kundige Volkstänzer auf. „Sie klingen doch anders, die Polskas, als die gewohnte Musik", dachte mancher. Und wenn es nur daran liegt, daß sie mit der Geige vorgespielt wurden. Elke Stauber-Micko hatte die vielen Klänge im Ohr und spielte fast zwei Tage alle von Sture Göransson nur angesprochenen Tanzmelodien auswendig.

Und Sture hörte und erklärte die feinen Unterschiede in der Betonung, im Tempo, in der Taktabfolge, mit denen Elke ihn manchmal überraschte, fast als wäre er in allen Dörfern in Schweden schon mal gewesen, aus denen diese Melodien stammen. Gelegentlich griff er sogar selbst zur Geige und ließ die leichten Hambo-, Polska- oder Mazurkatakte klingen.

 

Und manchmal merkte man auch, daß er diese Tänze alle von Kindesbeinen an gelernt hat. Wenn er mit seiner Frau Petra Grünwald-Göransson die feinen Unterschiede zwischen der schwedischen Form eines Bakmes und der finnischen Variante vortanzte. Wenn Sture seine Frau „auch nur mitgebracht hat, damit sie seine Anweisungen ins Schwäbische übersetzen konnte", war seine Art der Erklärung doch die Sprache, die zu den Tänzen Bingsjöpolska oder Rempa gehörte, die von den beiden so leichtfüßig und so locker vorgetanzt wurden, daß man vom Zuschauen schon Lust bekam mitzuprobieren.

Doch was so leicht aussah, es war schwierig: Mit dem linken Fuß beginnen, um die Tänzerin herum und dann links gleich wieder rückwärts, und doch das alles „zwei Stockwerke tiefer" als hierzulande. Ungewohnt, attestierte mancher, aber deshalb war man ja schließlich zum IIer-Kreis gekommen. Doch schnell hat Sture „ja di da die da do da" vorgesungen, und schon klappte die schwedische Volkstanzvariante, der Gammeldans.

Lag’s am Thema „Schwedische Tänze" oder sind die Thementreffen des Iier-Kreises inzwischen so beliebt, über vierzig Mitglieder oder Gäste hatten sich angemeldet.

Und „schwedisch" war das ganze Wochenende. Schon die Karte an der Wand deutete auf dieses riesige Land hin. Klaus Gauler hatte seine „Schlüsselharpe", das urschwedische Volksmusikinstrument, mitgebracht und spielte immer wieder zusammen mit Elke und Sture.

Als die Referenten dann am Abend als Überraschung zum undefinierbaren Jugendherbergsessen „Schwedische Happen" (eingelegte Heringe, Fleischbällchen, Sardellencreme und Preiselbeermarmelade usw.) anboten, war das schwedische Gefühl fast vollständig.

Bilder aus Schweden – im Kopf jedes einzelnen Zuhörers – erzeugten mit ihren lebensnahen Erzählungen ganz fantastisch Petra Grünwald-Göransson und Klaus Fink, der ein Jahr lang dort studiert hatte. Bilder von Elchen, riesigen Wäldern, Ampeln die immer rot sind, Rentieren, schwedischen Tanzgruppen, kleinen Dörfern, großen Städten und menschenleeren Landschaften. Und draußen probten die Musiker des Kreises schwedische Musik, die leise durch die Tür drang.

Und wenn die beiden dann vom Daalsland, dem Vännersee, den kleinen Orten an der Küste erzählten und von den teuren Gaststätten und den staatlichen Alkoholläden berichteten, merkte man, daß man vergessen hatte, sich sein Bierchen zum Trinken mitzubringen, fast wie in Schweden.

Doch, Urlaub in Schweden steht irgendwann wieder mal auf dem Jahresprogramm, meint

Albert Schulze