Trachtengruppe Trossingen auf Leipzig-Fahrt vom 23. - 26. November 2000
Einmal mehr hatte die Trachtengruppe Trossingen die Möglichkeit, sich und ihre Heimat Baden-Württemberg auf einer Tourismusmesse zu präsentieren. Durch diverse Auftritte bei der CMT in Stuttgart oder einem Volksfest in Lippstadt wurde Frau Bade von der Kultur GmbH Trossingen auf unsere Gruppe aufmerksam. Und da sie ursprünglich aus Leipzig kommt und auch Dr. Uwe Krauss vom Tourismusverband Schwäbische Alb die Trachtengruppe geläufig war, hatten wir diesmal die Möglichkeit, über ein verlängertes Wochenende nach Leipzig auf die dortige Tourismusmesse zu fahren. So starteten wir am Donnerstagabend, dem 23.11.2000, mit dem Stadtexpress von Rottweil aus. In Stuttgart gab es den ersten Zwischenhalt mit Umsteigen in den ICE. Da der Zug übervoll war, bestand keine Chance, einen Sitzplatz zu bekommen, und auch die vermeintlichen Platzkarten entpuppten sich als Fiasko.

Gegen 23 Uhr kamen wir in Leipzig Hbf an, sehnsüchtig erwartet von Frau Bade. Mit einem Mini-Bus wurden wir in zwei Etappen in unser Hotel gekarrt. Dort erhielten wir dann bei einem Viertele Rot oder ähnlichem wohlschmeckenden Getränk unsere ersten Instruktionen zum kommenden Tag und durch die gute Stimmung unsererseits, die sich schon auf der Herfahrt kräftig aufgeheizt hatte, brachten wir noch fast den netten Barkeeper um seinen Schlaf, da er unbedingt noch einen Sprachkursus in schwäbischer Sprache erhalten sollte.
Am nächsten Morgen mußten wir schon recht zeitig - gut gestärkt durch ein leckeres Frühstück - aufbrechen. Mit der Straßenbahn fuhren wir auf das Messegelände. Nach dem Einchecken am Drehkreuz gingen wir auf die Suche nach dem Stand der Schwäbischen Alb, da wir dort unsere Trachten abholen konnten. Diese wurden bereits zwei Wochen zuvor per Spedition nach Leipzig gebracht. Nachdem wir zum Umziehen sämtliche Toiletten der Messehalle in Beschlag genommen hatten und auch hinter den Kulissen des Ostallgäu-Messestandes reger Klamottentausch stattgefunden hatte, ging es los zur Showbühne des MDR, denn dort sollte unser erster Auftritt stattfinden. Rudi Huber spielte uns mit seinem Akkordeon zum Tanz auf - es dauerte eine Weile, bis wir und er uns daran gewöhnt hatten, daß die gespielte Musik durch die gesamte Halle wie ein Echo widerhallte. Auch der wellenschlagende Teppichboden auf der Bühne trug seinen Teil zum Steigern unseres tänzerischen Könnens bei. Die Techniker und der Moderator verstanden es hervorragend, uns die Aufregung und Anspannung durch gekonnte Sprüche und Gags vor und während den Auftritten zu nehmen. So wurde zum Beispiel beim Schäferlaufmarsch - für den Zuschauer kaum hörbar - leises Schafsgemecker zur Musik eingespielt, so daß es uns zeitweise schwer fiel, das Lachen zu verkneifen.
Nach einem etwa 30minütigen Auftritt, der als Höhepunkt mit dem Schwedentanz endete, pilgerten wir zurück zum Stand der Schwäbischen Alb. Hier gaben wir noch einmal ein paar unserer Tänze zum Besten. Auch unsere Sangeskunst war gefragt. Von „Auf der schwäbsche Eisebahne" bis hin zu „????", das eigentlich nur Rudi wirklich gut beherrschte, war alles dabei. Dafür wurden wir mit leckeren Maultaschen in der Brühe belohnt. Bis zum nächsten Auftritt am Mittag blieb Zeit zur freien Verfügung, so daß Wohnwagen, Zelte und Boote erkundet werden konnten - nicht was Ihr denkt :-) - rein informativ natürlich. Aber auch Stände von attraktiven Reiseländern wurden begutachtet und hie und da eine kleine Spezialität des jeweiligen Landes gekostet. So kam auch ein netter Kontakt zu den Betreiber/-innen des Karibikstandes zustande. Diese waren so begeistert von unserem Programm und den Trachten, das sie uns am liebsten vom Fleck weg engagiert hätten. Was aufgrund der Hitze in diesem Land und den schweren Trachten noch zu überlegen bleibt (vielleicht werden wir für solche Zwecke demnächst ein Nähseminar zum Thema „Wie verkürze ich meinen Trachtenrock / meine Hose auf Knielänge?" veranstalten).

Doch zurück zu unseren Aktivitäten. Nach unserem zweiten großen Auftritt hieß es schnell zurückfahren ins Hotel und umziehen, denn auch die Kultur sollte nicht zu kurz kommen und so lauschten wir am Abend einer exklusiven Vorstellung der Oper Carmen.
Am nächsten Tag ging es nicht ganz so früh los, aber dafür war das Programm genauso reichhaltig. Unser Tanzleiter Jörg hatte schon am Vortag seine Aufgabe als Moderator zwischen den einzelnen Tänzen mit Bravour gemeistert und den Zuschauern für den heutigen Tag ein kleines Schmankerl versprochen und so trugen heute alle Tänzer und Tänzerinnen ihre schönste Sonntagstracht - ausnahmsweise, wo doch erst Samstag war. Auch die Auftritte an diesem Tag meisterte die Trachtengruppe ohne Probleme. Ursel gelang an diesem Tag noch ein besonderer Schwabenstreich. Der Moderator erzählte, daß er eine wöchentliche Volksmusikhitparade im MDR moderiere und da er so begeistert von Rudis Musik war, übergab ihm Ursel eine CD der Volksmusik Oberer Neckar, und so warten wir heute noch beinahe täglich auf die Nachricht, daß die Volksmusik Oberer Neckar auf Platz eins mit einem ihrer „Hits" in den Charts stehen. Nach den Auftritten stand der restliche Tag wieder zur freien Verfügung und so ließen wir den Abend in einem gemütlichen Lokal bei gutem Essen ausklingen.
Leider mußten wir am nächsten Tag schon wieder die Rucksäcke schnüren und so begaben wir uns mit unserem Mini-Bus zum Bahnhof. Die Rückfahrt im Zug nutzten die meisten, um das Schlafdefizit der vergangenen Nächte auszugleichen, die geringfügigen bekannten Verspätungen der Bahn trugen das ihrige dazu bei. Alles in allem war es für uns alle ein sehr schönes und erfolgreiches Wochenende, so daß wir gerne wieder die Trachten zusammenpacken werden, um nach Leipzig zu fahren, oder wo auch immer solche herrlichen Tage erlebbar gemacht werden.
Simone Eith
Wer nirgendwo hingeht,
kann nirgendwo hinkommen.