Sing- und Volkstanzkreis Leutershausen Sommertagsstecken sollen den Winter vertreiben!
Schtrih, schtrah, schtroh, der Summerdag is do. - Diese vor allem in der Vorderpfalz vielerorts bekannte Weise soll am Sonntag, dem18. März, wieder aus vielen Kinderkehlen im Hirschberger Ortsteil Leutershausen erklingen.
Wir laden alle Kinder in Erinnerung an den alten Brauch des Wintervertreibens zum Sommertagsumzug herzlich ein. Aufstellung der Teilnehmer beginnt um 14:00 Uhr an der Martin-Stöhr-Schule. Um 14:30 Uhr wird sich der bunte Umzug unter den Klängen der Musikkapellen AM Leutershausen und der Kath. Pfarrmusik Dossenheim in Bewegung setzen und durch die Straßen von Leutershausen ziehen.
Wie auch in den vergangenen Jahren werden wieder zwei große Sommer- und zwei Winterbutzen durch uns liebevoll geschmückt und beim Umzug mitgeführt. Den Winterbutzen, der am Ende des Sommertagszuges verbrannt wird, zieht wieder ein Pferdegespann der Reitgemeinschaft Hirschberg. Dennoch sollten beim Umzug die Kinder mit ihren bunten Sommertagsstecken die Hauptpersonen sein. Für alle, die noch keinen Sommertagstecken gebastelt haben, werden am Samstag beim Neukauf am OEG-Bahnhof Leutershausen sowie bei Schreibwaren Schuhmann in Großsachsen selbstgebastelte Sommertagsstecken von uns angeboten.
Für alle, die selbst Spaß am Basteln haben, hier die Anleitung, wie ein Sommertagsstecken aussehen sollte: Auf einem Haselnußstecken, der oben leicht angespitzt ist, wird ein ausgeblasenes Ei zwischen einer Brezel aufgesteckt, dann folgt ein Apfel und ganz obenauf schmückt ein Blumen- oder Buchsstrauß den Sommertagsstecken, der noch mit bunten Papierbändern umwickelt wird und somit seinen letzten Schliff bekommt. Die traditionellen Sommertagsbrezeln, die von der Gemeinde gestiftet und an alle Kinder, die beim Umzug teilnehmen, verteilt werden, sind bei der Aufstellung an der Martin-Stöhr-Schule zu bekommen.
Wir wünschen uns, daß möglichst viele Kinder auch beim diesjährigen Sommertagszug mitmachen und mit uns den Winter vertreiben.
Nach dem Sommertagsumzug wollen wir den Winterbutzen und somit den Winter auf dem Platz an der Mozartstraße in Leutershausen verbrennen. Bevor der Winter verbrannt wird, zeigen unserer Kinder einige Tänze und tanzen um den Winterbuzen. Wenn dann am Ende der „Winter" lichterloh brennt und wir alle gemeinsam das Lied „Winter ade, scheiden tut weh" singen, hoffen wir, daß der Frühling nun endlich Einzug halten wird und wir das naßkalte Wetter der vergangenen Wochen vergessen können.
Sollte am Sonntag das Wetter nicht gut gestimmt mit uns sein und sollte es stark regnen, so werden wir doch versuchen, den Winter ohne Umzug auf dem Platz an der Mozartstraße zu verbrennen.
Zum Brauchtum:
Sommertag ist zwischen Sonntag Lätare und Frühlingsanfang mit einem Kinderumzug gefeiert worden. Alle Kinder hatten auf sauber geschälten Weidenruten eine Brezel, einen Apfel und ein ausgeblasenes Ei gesteckt, zogen hinter zwei Spielern her, die als Sommer und Winter verkleidet waren, also im Zottel- oder Sackgewand steckten und im grünen Kleid, den Kranz auf dem Kopf; vor dem Dorf bildeten die Kinder einen Kreis, in dem Winter und Sommer miteinander kämpften.
Im Sommertagszug wird diesem Geschehen symbolisch Ausdruck verliehen. Die beiden großen Naturgewalten, Sommer und Winter, die großen Gegner im Zweikampf, prägen sich zunächst in kultischen Handlungen aus und werden im Laufe der Geschichte zu Volksbräuchen wie dem Sommertagszug.
Ursache fast aller Mythenbildung ist schließlich die Naturanschauung und das Naturerleben. Vielleicht sind wir modernen Menschen von der sich daraus ergebenden Erkenntnis zu weit abgerückt, um diese Fehde der Hauptjahreszeiten in einer uns bewegenden Weise wahrnehmen zu können. Im germanischen Altertum vollzog sich bei dieser Begebenheit eine tiefgreifende Wende. Sie kam einem Gottesurteil gleich. Bei grimmiger Kälte und unerbittlichem Frost verbanden sich alle bösen Mächte. Angst und Bangen kamen auf, schließlich könnten diese Gewalten die Kraft allen Lebens zum erlahmen bringen. Doch siehe: Hoffnung läßt uns nicht zuschanden werden, die Sonne zeigt allmählich wieder Stärke.
Der Sommertagszug sollte dieses Geschehen sinnbildlich darstellen.
Die Kirche war gut beraten, den aus vorchristlicher Zeit herrührenden Glauben nicht zu verdrängen. Sie feiert auf ihre Weise das Erwachen der Natur beim Einzug des Frühlings. Da wurde eine uralte Tradition mit christlichem Gedankengut angereichert. In unserer kurpfälzischen Heimat hatte man nämlich drei Wochen vor dem Osterfest den Sonntag Laetare zum Sommertag bestimmt. So wurde ein heidnisches Fest in den Auferstehungsglauben der vorösterlichen Zeit eingebettet. Heidnisch wie christlich, immer begrüßt der Mensch die Sonne, wenn sie aus den Banden des Todes die erkaltete Natur erlöst.
Jürgen Gustke
